Tacitus hat mal behauptet, die Germanen hätten ihren Ursprung in den dichten, geheimnisvollen und gefährlichen Wäldern Germaniens. Damit wollte er sie als ein wildes und unzivilisiertes Naturvolk den kultivierten Römern entgegen stellen.
Später sahen die Deutschen, die sich als Ahnen der Germanen wähnten, im Walde ein gutes Symbol für ursprüngliche Stärke, für Wachstum und Wohlstand, mit dem sie sich identifizierten. Der deutsche Mythos vom Wald entstand.
Dann kamen die Nationalisten und vereinnahmten neben so vielen anderen auch dieses Identifikations-Symbol der Deutschen, so dass es schließlich unmöglich wurde.
Heute ist der Wald für viele Menschen in Deutschland ein Raum für Freizeit und Erholung. Spaziergänger, Wanderer, Läufer, Fahrradfahrer, Pilzsucher, Bärlauchpflücker, Bäumekletterer und diverse andere Naturfreunde genießen den Wald auf ihre Weisen.
Daneben wird der Wald auch forstwirtschaftlich intensiv genutzt; und manch Landwirt weiß heute noch seinen Baumbestand zu schätzen, der ihm im Notfall eine rettende Kapitalquelle sein kann.
Vom Mythos des Waldes ist das Bewußtsein geblieben, dass fast ganz Deutschland einmal vom Wald bedeckt war. Und vielleicht auch das Gefühl, das sich bei manchen Menschen einstellt, wenn sie im Walde stehen: Das Gefühl, an den angestammten Platz in der Natur zurückzukehren, richtig Mensch zu sein, wieder Teil des großen Ganzen zu werden.
Und zu etwas Neuem ist der Wald auch noch geeignet, nämlich zur Metapher für das Internet. Die einzelnen Websites, Blogs, Portale und Homepages bestehen aus HTML- bzw. XHTML-Dokumenten, die man oft als Baumstrukturen betrachtet. Und was ist das, wenn ganz viele Bäume dicht bei dicht stehen, verwoben mit ihren Wurzeln und Ästen, und gemeinsam einen Lebensraum bilden? Das ist ein Wald.